AUSSÖHNUNG MIT DEM INNEREN KIND

Ein Buch geschrieben von den amerikanischen Psychotherapeutinnen Dr.in Erika J. Chopich und Dr.in Margarete Paul.

 

MEINE ERSTE ERFAHRUNG ZU MEHR WOHLEMPFINDEN

Die aller erste Erfahrung, die ich auf meinem Weg zu mehr Wohlempfinden machte war, dass ich mein inneres Kind nicht kannte. Ich wusste kaum, was mir gut tat und welche Anteile in mir wie kommunizierten. Nach einem Gespräch mit meiner Freundin Sonja, gab sie mir dieses Buch, auf welches ich nun näher eingehen möchte.

 

DAS INNERE KIND

"Viele unserer Schutzmechanismen sind in Wahrheit unsere ältesten Freunde – erprobt und treu. Sie haben uns, wenn alles andere fehlschlug, geholfen und uns geschützt. Und obwohl sie uns inzwischen kaum noch guttun, zögern wir doch, sie loszulassen."

 

Der Inhalt des Buches beschreibt zwei Anteile in uns, das innere Kind und den inneren Erwachsenen. Das innere Kind wird dem Spektrum Fühlen und Erleben zugeschrieben, also dem „Sein“ und der Erwachsene dem Spektrum Machen, Denken und Handeln, also dem „Tun“. Das „Sein“ bezieht sich auf eine innere und emotionale Erfahrung und das „Tun“ als Erfahrung auf die äußere Welt in Aktivität. Von der Geburt an entwickelt der Mensch beide Persönlichkeitsanteile. Im Gleichgewicht würde sich der innere Erwachsene liebevoll um das innere Kind kümmern.

 

DAS UNGELIEBTE UND GELIEBTE KIND

Vorerst wird unterschieden zwischen dem ungeliebten und dem geliebten Kind. Dessen Gedanken entspringen aus den Gefühlen. Beim inneren Erwachsenen sind Gefühle das Ergebnis des Denkens. Schützt sich eine Person vor den eigenen Gefühlen wie Furcht, Schuld oder Scham und übernimmt keine Verantwortung, dann wird das Bedürfnis des inneren Kindes, nämlich nicht mit diesen Gefühlen allein gelassen zu werden, abgelehnt. In Folge trennt sich diese Person von seinem inneren Kind. Der Anteil des Kindes fühlt sich dann ungeliebt und allein und schließt daraus, dass etwas mit ihm falsch sei. "Die Wut und die Vorwürfe, mit denen wir als Erwachsener andere konfrontieren, sind nicht nur eine Projektion der elterlichen Ablehnung auf andere, sondern auch eine Projektion des inneren Verlassenseins."

 

In diesem Abschnitt beschreiben die Autorinnen, dass das Gefühl des Alleinseins das schmerzhafteste Gefühl ist, das wir erleben können. "Wenn unsere Eltern uns als Kinder ablehnen, tadeln, verlassen, misshandeln oder gar missbrauchen, dann ist der Schmerz darüber so unerträglich, dass der innere Erwachsene den Kontakt zum inneren Kind abschneidet, um diese Gefühle nicht zu spüren." Das innere Kind entwickelt Verhaltensweisen, um Bestätigung von außen zu bekommen und verhält sich z.B. übermäßig lieb oder verführerisch. Es beginnt zu manipulieren, um an Liebe zu gelangen und um sich selbst vor Ablehnung zu schützen. "Die Angst davor, beherrscht und vereinnahmt, ja geradezu verschlungen zu werden, ist genauso mächtig wie die Angst davor, abgelehnt und verlassen zu werden." Hier entsteht die Möglichkeit von Sucht- und Abhängigkeitsverhalten in Form von Drogen, Sex, Beziehungen, Fernsehen oder Geld. "Das verlassene innere Kind tut alles Erdenkliche, um sich selbst zu schützen, aber alle diese Schutzmaßnahmen bewirken schließlich nur noch mehr äußeres und inneres Alleinsein."

 

DER ANTEIL DES INNEREN ERWACHSENEN

Wir sind im liebevollen Anteil des Erwachsenen, wenn wir unser emotionales Wachstum und das unserer Mitmenschen fördern und vor allem, wenn wir Selbstverantwortung für unsere Gefühle übernehmen. Wir handeln aus keiner Opferrolle heraus und machen andere nicht für unsere eigenen Handlungen und Reaktionen verantwortlich.

 

DER LIEBLOSE ERWACHSENE

Dieser Anteil übernimmt keine Verantwortung und stellt Aufgaben, Regeln und Verpflichtungen an erste Stelle. Hier wird die eigens erfahrene Lieblosigkeit der ersten Bezugs- oder Autoritätspersonen aus der Kindheit weitergeführt. Oft beschuldigen wir uns und behandeln uns genau so abwertend. Aus dieser schmerzhaften Leere heraus, ist es dem Kind möglich, sich selbst durch Sucht und Abhängigkeit zu verletzten. Wenn der innere Erwachsene keine Verantwortung übernimmt, wird das Kind sozusagen gezwungen, seine Bedürfnisse von anderen Menschen oder Substanzen befriedigen zu lassen und so entsteht eine von vielen falschen Überzeugungen.

 

Im Buch gibt es das Beispiel einer Mutter, die ihr Kind aus einem brennendem Gebäude rettet. Hier drückt die Mutter Liebe aus, trotz ihrer Angst. Wenn die Mutter aber wegen schlechter Noten bestraft, aus Angst keine gute Mutter zu sein, dann ist sie lieblos zu sich selbst und zu anderen und trennt sich in diesem Moment von ihrem inneren Kind. „So, wie wir als Kinder behandelt werden, behandeln wir uns während unseres ganzen restlichen Lebens.“

 

Aus Angst heraus, schneiden wir oft den inneren Kontakt zu uns ab, da wir uns zu schützen versuchen. Unser Leben wird uns alle mit Situationen konfrontieren, die unsere Liebesfähigkeit herausfordern. Wie liebevoll ich lerne zu reagieren, schafft meine liebevolle Beziehungen in meinem Leben. Wenn wir aber den Kontakt zu unserem inneren Kind abschneiden, dann sind wir Opfer unserer eigenen Entscheidung, weil wir uns in dem Moment entschieden haben, uns nicht um uns selbst zu kümmern.

 

Ich erinnere mich an einem Punkt im Buch, wo ich versuchte, mit meinem inneren Kind in Kontakt zu gehen und merkte, dass ich es gar nicht kannte. Es gab Erinnerungen, die in mir verschiedenste Gefühle auslösten. Das Buch landete für eine Zeit in einer Ecke.

 

„Ich möchte, dass du mir hilfst, meinen Schmerz zu lindern, indem du mir hilfst, meine falschen Überzeugungen durch die Wahrheit zu ersetzten und indem du liebevolle Menschen für mich findest, die mir dabei helfen. Ich möchte, dass du dich mir gegenüber nährend, mitfühlend, weich und sanft verhältst und mich wirklich, so wie ich bin, wahrnimmst."

 

DER LIEBEVOLLE ERWACHSENE

Dieser Anteil in uns erkennt, dass es für unsere Gefühle und Wünsche wichtige Gründe gibt und versucht diese kennenzulernen. „Das Wichtigste, was wir für uns selbst tun können, ist, uns bewusst zu machen, wie lieblos wir mit uns umgehen und was es bedeutet, ein liebevoller Erwachsener für unser inneres Kind zu werden.“

 

MEINE ERSTE ERKENNTNIS - DAS UNWOHL FÜHLEN

„Es ist diese Abgetrenntheit, die den Stress erzeugt, in dem so viele von uns täglich leben.“

 

Meine erste Erkenntnis war also, dass ich mich so unwohl in mir fühlte, weil ich mit mir in keinem Kontakt stand. Falsche Überzeugungen und Glaubensmuster bestimmten meine Realität. Vor allem hinterließen meine impulsiven Gefühlsäußerungen große Schuldgefühle.

 

"Die Mittel, die es benutzt, sind Gereiztheit, Ärgerlichkeit, Tadel, schweigender Liebesentzug, Rechthaberei, Wutanfälle, Gewalt, Schmollen, Weinen, Lügen, Besserwisserei, Moralpredigten, Rechtfertigungsversuche, Verhöre und/oder Zerreden von Gefühlen. Das innere Kind, das sich so verzweifelt allein und einsam fühlt, agiert auf der Basis falscher Annahmen."

 

Es war hart, mir ab diesem Zeitpunkt einzugestehen, dass mein Verhalten auch manipulativ sein konnte. Vielleicht nicht bewusst, aber ich wandte einige dieser oben genannten Mittel an. Sie alle hatten sicher ihre Berechtigung, waren aber nicht mehr adäquat, war ich doch schon längst für mich selbst verantwortlich und führte meinen eigenen Haushalt. Es war für mich an der Zeit, meinen Schmerz und auch meine unangenehmen Gefühle wie Schuld und Scham kennenzulernen.

 

 FALSCHE GLAUBENSMUSTER

 „Als Säugling und Kleinkinder brauchen wir vor allem Liebe, weil wir ohne Liebe sterben könnten. Wirklich erwachsen zu werden heißt, aus dem ständigen Bedürfnis nach Liebe von außen herauszuwachsen und uns selbst und andere lieben zu lernen.“

 

Nicht alle Eltern stehen im Kontakt zu sich selbst. Gerade die Nachkriegsgeneration musste viel Kälte erfahren, waren große Traumatisierungen längst noch nicht aufgearbeitet. In dieser Generation musste viel verdrängt werden. Viele Möglichkeiten gab es da nicht. Den eigenen Kontakt zu sich zu verlieren stand hier fast an der Tagesordnung. Auch heutzutage gibt es und in jeder weiteren Generation wird es wohlmöglich immer Faktoren geben, die den Kontaktverlust fördern.

 

DAS EGO

Der Begriff Ego wird in diesem Buch nicht im Sinne Freuds oder der Ego-Psychologie verwendet. Das Wort Ego wird hier genutzt, wann immer wir uns entscheiden, uns abzutrennen anstatt zu lernen. Unser Ego ist überzeugt, dass unser inneres Kind schlecht, falsch, nicht liebenswert, fehlerhaft, unbedeutend, unwichtig und unzugänglich sei. Im Buch wurden einige der häufigsten und falschen Ego-Überzeugungen aufgelistet, wie sie sich durch den lieblosen Erwachsenen und dem ungeliebten Kind ausdrücken:

  • Ich kann mich nicht selber glücklich machen.
  • Die Gefühle anderer sind wichtiger. Es ist meine Schuld.
  • Die Bedürfnisse anderer sind wichtiger.
  • Ich kann mit Leid nicht umgehen.
  • Ich kontrolliere, was andere über mich denken und wie sie mich behandeln. Wenn ich z.B. lieb oder wütend bin.
  • Bestätigung ist Liebe.

Die Autorinnen erklären, dass wir als Kinder nicht wissen, dass die Unfähigkeit der Eltern, sich selbst zu lieben, nichts mit einem selbst zu tun hat. Unsere Reaktion darauf ist aber, dass etwas mit uns nicht stimmt. Diese Kernüberzeugung verschafft uns die Voraussetzung für unsere innere Getrenntheit.

 

Wenn wir nicht wissen, dass wir liebenswert sind, empfinden wir weiterhin Angst davor, verlassen oder verschlungen zu werden. Es entsteht Abhängigkeit gegenüber anderen, weil wir uns nur dann gut fühlen, wenn sie für uns sorgen und uns glücklich machen. Dies schafft Co-Abhängigkeit, weil das Ego immer von Bestätigung abhängig ist.

 

"Da beide Elternteile nach Bestätigung suchen und keine klare Vorstellung davon haben, was es heißt, sich selbst zu lieben und die Entscheidung für das Lernen zu treffen, werden die Kinder sie in dieser Hinsicht nachahmen. Da sie ihre Kinder nicht tiefer als sich selbst lieben können, wird das Bedürfnis der Kinder nach Liebe nicht erfüllt. Das Kind fühlt sich unzugänglich, einsam und allein und entwickelt das Ego – und damit beginnt der Kreislauf der inneren Abgetrenntheit, der Dysfunktion und der Co-Abhängigkeit von vorn."

 

Mir wurde die Wichtigkeit immer mehr bewusst, meine Überzeugungen und Glaubensmuster verstehen zu lernen, um Verbindung schaffen zu können. Während des Prozesses mit diesem Buch, setzte ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt hin und wollte mein inneres Kind fragen, was es denn braucht oder machen möchte. Es war so klar zu spüren. Ich wollte wandern gehen. Essen einpacken und raus in die Natur. Zeit um zu sein, im hier und jetzt in Verbundenheit und nicht, um zu tun oder abhängig zu sein.

 

VERBINDUNG SCHAFFEN

Die Autorinnen schreiben, dass Verbindung im Hier und Jetzt entsteht und unser Ego in der Vergangenheit und Zukunft lebt. Wir stehen mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen in einer wirklichen Verbindung, wenn wir mit unserem Sein im Augenblick leben.

 

Diese wachsende Verbindung mir gegenüber wurde mir immer nützlicher, um auch meine Fähigkeiten zu entdecken. Ich konnte mehr in mich gehen und vor allem in der Arbeitswelt meinen Weg finden. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für ein glückliches Leben, wird im Buch eingegangen. Besondere Erfahrungen, die unserem Leben einen Sinn geben, um nicht ziellos auf der Suche nach jemanden oder etwas zu sein, um unsere Leere zu füllen. Wenn wir mehr von unserem inneren Kind lernen, werden wir oft von selbst zu unseren Leidenschaften geführt.

 

"Eine der Gründe, warum so viele Teenager drogenabhängig werden, ist nach unserer Erkenntnissen die Langeweile. Uns fiel auf, dass die Jugendlichen, deren Leben mit aufregenden, kreativen und lehrreichen Aktivitäten erfüllt ist, kaum Zeit finden für Alkohol und Drogen. Mit anderen Worten: Die Teenager und Erwachsenen, die mit der Freude ihres inneren Kindes in Kontakt sind, deren Leben erfüllt ist von aufregenden Erlebnissen und spontaner Begeisterung, die sich wünschen, zu lernen, und schöpferisch tätig zu sein und die die Verantwortung für Langeweile, ihren Schmerz und ihre Freude nicht ablehnen, haben kein Bedürfnis nach Drogen oder anderen Fluchtmöglichkeiten."

 

SCHULD UND SELBSTVERANTWORTUNG

In einer gewissen Phase dieses Buches lernte ich, dass ich niemanden mehr für meine Gefühle die Schuld geben wollte und konnte. So oft war Schuld meine Antwort, anstatt Selbstverantwortung. Es wurde ein immer größeres Bedürfnis, in meine Verantwortung zu kommen. Wut, Trauer, aber auch Scham und Schuld durch meinen inneren Erwachsenen verstehen zu lernen. Es waren zwei Schritte vorwärts und ein Schritt zurück. Viele Tränen der Wut, der Trauer und des Verständnisses. Ich begann, meine Eltern als Kinder deren Eltern zu sehen. Als würde ich einfach das Gesamte sehen. Es berührte mich im Endeffekt mehr, als es mich traurig machte. "Das höhere Selbst ist Liebe und möchte lieben, während das Ego nur darum bemüht ist, Liebe zu bekommen und Schmerz zu vermeiden."

 

DAS VERKORKSTE VERHALTEN DER INNEREN KINDER AM ARBEITSPLATZ

Im Buch erwähnen sie auch, dass es in unserer Kultur an einem Rollenvorbild für den liebevollen inneren Erwachsenen fehlt. Das erkannte ich immer mehr, besonders in der Arbeitswelt. Dort, wo bei einer Vollzeitanstellung die meiste Zeit verbracht wird, bestimmt viel zu oft die Verkorkstheit der ungeliebten Kinder. Menschen die alleine sind, sind auf das Wohl eines Teams natürlich viel mehr angewiesen, wie Menschen, die zusätzlich in einem Familiensystem eingebunden sind.

 

Ich machte Erfahrungen, wo das gesamte Team die persönliche Last der vorgesetzten Person abbekam. Wütendes und störrisches Verhalten, kurze und aggressive Fragen und Antworten. Wie ein Kind versuchte ich das Verhalten der vorgesetzten Person zu erkennen und auszugleichen. Ich ging sehr oft mit Angst zur Arbeit. Von anderen Personen erfuhr ich sogar, dass die Teamleitung die eigenen Angestellten gegeneinander aufspielte oder auch wo Arbeitskolleg*innen ihr wütendes und liebloses Verhalten gegenüber anderen Kolleg*innen konsequenzlos ausleben konnten. Ganz unterschiedlich geprägt und doch rührt dieses Verhalten von unserer Erfahrung, nämlich wie mit uns als Kind umgegangen wurde oder eben nicht, wenn wir vernachlässigt wurden. Welche Glaubensmuster, Sätze und Vorstellungen das jeweilige Familiensystem gestaltete. "Die meisten von uns haben mehr über liebloses als über liebevolles Verhalten gelernt."

 

Viel später erst erfuhr ich die Möglichkeit einer Supervision. Als Mensch in einer vorgesetzten Position, befinden wir uns in einer ähnlichen Situation, wie in der Elternschaft. Wir tragen Verantwortung. Nicht unbedingt für die Gefühle und das Privatleben unserer MitarbeiterInnen, aber für die respektvolle Führung und das Erkennen und Lösen von Konflikten, um Struktur zu geben. Nicht nur Eltern prägen uns in der Art und Weise, wie sie mit Situaitonen umgehen, sondern all unsere Autoritäts- und Bezugspersonen. Denn eines ist gewiss, dass wir als Bezugs- oder Führungsperson für das Wohl innerhalb unseres Systems verantwortlich sind.

 

Für mich wurde es von Bedeutung, persönliche Situationen, egal ob privat oder beruflich, zu erkennen und Lösungsansätze zu finden, anstatt mich in den emotionalen Geschehnissen zu verlieren. Ich erkannte, dass Autoritätspersonen und Kolleg*innen mir gegenüber nicht weniger erwachsen sein können, als ich mir selbst. Es liegt auch in meiner Verantwortung, Lösungen für mein persönliches Wohl zu finden und im schlimmsten Fall, mir eine neue Arbeit zu suchen, sollten vor allem Persönlichkeiten oder Strukturen zu festgefahren sein. Wichtig wurde es für mich zu erkennen, in welchem Umfeld ich die meiste Zeit verbringen möchte.

 

EINE KURZE ZUSAMMENFASSUNG

Es gibt zwei Anteile in uns..

  • innerer Erwachsener, er ist liebevoll oder lieblos
  • inneres Kind, es wird geliebt oder ist ungeliebt

Die Stimme des lieblosen Erwachsenen und des ungeliebten Kindes, sind beide Stimmen des Egos.

 

Der lieblose Erwachsene..

  • schützt sich vor der Wahrnehmung von Schmerz, Angst, Trauer, Einsamkeit
  • übernimmt für diese Gefühle keine Verantwortung
  • geht nicht auf die Bedürfnisse und Wünsche des inneren Kindes ein
  • überschreitet Grenzen
  • kontrolliert den Kind-Anteil und ist autoritär
  • zwingt Regeln der Eltern und Gesellschaft auf
  • übernimmt Lieblosigkeit und kritisiert, beschuldigt oder ist abwertend
  • ist im Glauben für die Gefühle anderer verantwortlich zu sein und andere Menschen für die eigenen, sich selbst nicht glücklich machen zu können, die eigene Wertigkeit und Liebenswürdigkeit von anderen abhängig machen zu müssen, mit Schmerz nicht umgehen zu können, zu kontrollieren was andere über einen selbst denken und wie sie einen selbst behandeln, dass sein Wesenskern schlecht, falsch und nicht liebenswert sei

Unser inneres Kind fühlt sich sicher, wenn der innere Erwachsene..

  • daran glaubt, dass es gute Gründe für all seine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle hat
  • diese nicht bewertet in gut oder schlecht – richtig oder falsch
  • offen ist, Gefühle des inneren Kindes zu erleben und sich nicht davor schützt, indem er keine Verantwortung übernimmt
  • zuhört und offen ist
  • keine Angst hat vor der Wut und dem Schmerz des inneren Kindes, der eigenen Selbstverantwortung und Wahrheit
  • nicht im Glauben lebt kein liebenswertes Kind zu sein

 

UNTERSTÜTZUNG ANNEHMEN

Die Autorinnen beschreiben in einem der letzteren Kapitel, dass es schön ist, von Menschen begleitet zu werden, wenn wir uns mit Angst und Schmerz auseinandersetzen und uns manchmal sogar führen lassen, um zu lernen wie es ist, zu unserem inneren Kind liebevoll zu sein. Wir alle brauchen unsere Mitmenschen, um lernen und wachsen zu können. Es ist hier von Bedeutung, den Unterschied zwischen Bedürfnis und Bedürftigkeit zu unterscheiden. Bedürftigkeit geschieht, wenn wir unser inneres Kind verlassen und erwarten, dass andere uns glücklich machen und das Ruder übernehmen. Bedürfnis nach Hilfe bedeutet, mit Unterstützung in die Verantwortung zu kommen. Menschen können uns durch unseren Lern- und Heilungsprozess begleiten, es aber nicht stellvertretend für uns tun.

 

Wir heilen unsere Wunden dadurch, in dem wir lernen uns selbst zu lieben und durch unsere Ängste und Schmerzen hindurchzugehen. Manchmal ist Kindheitsschmerz so groß, dass unser innerer und liebevoller Erwachsene selbst einen liebevollen Erwachsenen benötigt. Vor allem Frauen wissen oft diesem Bedürfnis von „Bemuttert werden“ nicht nachzugehen. Unsere Gesellschaft ist in dieser Geste des Gehaltenwerdens noch nicht sehr ausgeprägt.

 

MEIN FAZIT

Meine Antwort auf mein Unwohlsein war, die Getrenntheit von mir selbst und dieses Gefühl nahm ich in meinen Alltag mit. Vieles löste Unwohlbefinden aus, weil ich mit mir nicht in Verbindung stand. Die Arbeit an meinem inneren Kind wurde ein Grundbaustein meines Wohlbefindens. Die Herangehensweise an das Thema wird im Buch begleitet, auch gibt es dazu ein Arbeitsbuch. Ich konnte es nicht auf einmal durchgehen, es brauchte Zeit und ich musste mich erst an die neue Situation adaptieren. Ohne Stress. Es gibt viele unterschiedliche Mittel, sein inneres Kind kennenzulernen. Spontan fällt mir auch die Methode der gewaltfreien Kommunikation ein.

 

Wie fühlt sich meine Getrenntheit an?

  • Ängstlichkeit
  • innere Gestresstheit
  • das Suchen der eigenen Stabilität in anderen Menschen
  • Vertrauensambivalenz
  • starke Gefühlsschwankungen, Impulsivität
  • große Angst vor der Arbeitswelt, Angst vor lieblosen Vorgesetzten und Kolleg*innen

 Welche Schritte setzte ich zum Verständnis und zur Unterstützung?

  • Gespräche mit engen Freund*innen
  • Bücher
  • Psychotherapie, Coaching, Familienaufstellung

Was mir in dieser Zeit besonders gut tat?

  • Gespräche
  • Rituale wie kochen
  • Natur
  • Ich-Zeit, in Kontakt treten druch geführte Meditationen und positive Affirmationen

Was ich besonders übte?

  • den Wünschen des inneren Kindes zuzuhören, mehr Ruhe und Natur
  • das Kreieren von Ritualen, besonders morgens und abends
  • mir gegenüber fürsorglich zu sein, zu kochen und entspannen
  • keine Schuld zu geben, Verantwortung übernehmen
  • innere Überzeugungen zu unterscheiden
  • die Vorstellung, mich als Kind zu umarmen
  • Achtsamkeit gegenüber dem Konsum von Zigaretten, Alkohol, ungesundem Essen

Mein Zustand verbesserte sich durch Verständnis. Dadurch konnte ich mir geben oder in Anspruch nehmen, was ich brauchte, um für verschiedene Situationen ein anderes Gespür zu bekommen.

 

Durch meine Ausbildung erkannte ich auch, dass es nicht für jeden Menschen passend ist, alte Wunden oder vergrabene Gefühle zu öffnen oder diese alleine anzusehen, speziell bei erheblichen Traumata geprägt durch psychische, körperliche und sexuelle Gewalt sowie schwere Vernachlässigungs- und Verlusterfahrungen. Hier würde ich mir immer professionelle Hilfe zur Begleitung suchen.

 

"Wir sind der Überzeugung, dass alles, was wir tun, um uns selbst Freude zu machen und liebevollere Menschen zu werden, ein weiterer Schritt zur Heilung der Erde ist."

 

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Mögen dir deine Aha-Momente und die darauffolgende Arbeit mit deinem inneren Kind zu mehr Wohlempfinden und Freude verhelfen.

Alles Liebe,

Nici

Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin (Donnerstag, 26 November 2020 11:48)

    Wow, so viele Erkenntnisse in einem Text. Vielen Dank, Nici! �